Andacht am Sonntag Lätare, 22. März 2020

 

Claudia Knepper, Liturgische Vorlage (leicht abgewandelt): Rummelsberger Brevier

Vorbemerkung zum Sonntag Lätare
Der 4. Sonntag der Passionszeit wird wie die anderen Sonntage in dieser Zeit nach dem Anfang des Leitverses (Jesaja 66,10) benannt: Laetare cum Jerusalem = freuet euch mit Jerusalem. Dieser Fastensonntag nimmt schon etwas von der österlichen Auferstehungsfreude vorweg. Deshalb nannte man diesen Sonntag früher „Klein-Ostern“.

Vorbereitung
•    Suchen sie sich einen ruhigen, ungestörten Ort. Schalten Sie das Telefon stumm und legen es am besten außer Reichweite.
•    Räumen Sie alles beiseite, was Sie ablenkt oder stört.
•    Wenn Sie möchten, zünden Sie eine Kerze an.
•    Werden Sie vor der Kerze innerlich still.
•    Dafür schließen Sie die Augen. Nehmen Sie ihren Körper wahr. Seien Sie mit allen Sinnen ganz aufmerksam im Hier und Jetzt: wie sitzen Sie, wie nehmen Sie Ihren Körper wahr, Ihren Atem, was hören Sie? Verweilen Sie so im Stillen bis Sie innerlich ruhig werden.
•    Wenn Ihre Gedanken auf Reisen gehen, um Sorgen kreisen oder Ähnliches, holen Sie sich selbst in die Gegenwart zurück. Es ist hilfreich, wenn Sie sich sagen: „Jetzt ist die Andacht dran. Danach habe ich noch genug Zeit für den Gedanken, der mich beschäftigen will. Jetzt nicht.“
•    Wenn Sie innerlich ruhig geworden sind, können Sie sich sagen: „Ich bin ganz gegenwärtig in der Gegenwart Gottes.“ 
•    Beginnen Sie mit den Gebeten und Lesungen.
•    Es ist hilfreich, wenn Sie vor allem die Gebete und Lesungen laut und langsam lesen. Langsam heißt: gerade nur so schnell, dass ihre Gedanken und Vorstellung dem Gelesenen folgen können. Lassen Sie zwischen den Gedanken und Sätzen kleine Pausen, um dem Gehörten und Gelesenen nachzulauschen.

Wochenspruch | Johannes 12,24
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Eingangsgebet
Freuen sollen wir uns in Dir Gott.
Sättige uns mit dem Brot des Lebens.
Hilf uns, aus der Kraft deines Sohnes zu leben.
Hilf uns, einander mit Liebe zu begegnen.
Durch unseren Herrn Jesus Christus,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Lied
Jesu, meine Freude (Ev. Gesangbuch = EG 396) oder Korn das in die Erde (EG 98)

Psalm der Woche | Psalm 84,6-8.12
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten
   und von Herzen dir nachwandeln!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen,

wird es ihnen zum Quellgrund,
   und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern
   und schauen den wahren Gott in Zion.
Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild;
   der HERR gibt Gnade und Ehre.
Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.

Evangelium | Johannes 12,20-24
Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Wort zum Weiterdenken | Huub Oosterhuis
Wer leben will wie Gott auf dieser Erde,
muss sterben wie ein Weizenkorn,
muss sterben, um zu leben.

Er geht den Weg, den alle Dinge gehen;
er trägt das Los, er geht den Weg,
er geht ihn bis zum Ende.

Der Sonne und dem Regen preisgegeben,
das kleinste Korn in Sturm und Wind
muss sterben, um zu leben.

Die Menschen müssen für einander sterben.
Das kleinste Korn, es wird zum Brot,
und einer nährt den andern.

Den gleichen Weg ist unser Gott gegangen;
und so ist er für dich und mich
das Leben selbst geworden.

Originaltitel: Wie leven wil als God
Text: Huub Oosterhuis
Übertragung: Johannes Bergsma
Quelle: http://huuboosterhuis.de/wer-leben-will-wie-Gott.459.html


Auslegung
Länder und Gesellschaften auf der ganzen Welt erfahren in diesen Tagen eine Vollbremsung. Es ist eine große Zwangspause, ein auf alle ausgedehntes und angeordnetes „Fasten“. Große Teile des öffentlichen Lebens kommen zum Erliegen. Veranstaltungen und Termine werden abgesagt: vom Konzert über den Vereinsvorstand bis zum Friseurtermin. Auch unsere Gottesdienste können nicht stattfinden. Es ist eine Zeit des Verzichts wie sie die meisten von uns noch nicht erlebt haben. Hauptsächlich geht es um den Verzicht direkter sozialer Kontakte: Verzicht darauf, Freunde und Familie zu treffen, Verzicht auf Reisen, auf gemeinsamen Sport und Shopping. Verzicht auf Schule. Verzicht auf jede Art der Geselligkeit. Wer unter Quarantäne steht oder wo eine Ausgangssperre verhängt wurde, ist noch wesentlich weiter eingeschränkt. Bei manchen geht dieser Verzicht an die wirtschaftliche Existenz: Inhaber von Geschäften, freischaffende Künstler, Selbständige, die viel mit Menschen arbeiten. Alleinerziehende Eltern, die nicht gleichzeitig ihr Kind zuhause betreuen und arbeiten gehen können. Angestellte, denen die Entlassung droht. Unsere gesamte Wirtschaft erlebt einen starken Einbruch.

Unser gemeinsamer Verzicht in der Corona-Pandemie kommt vor allem hochbetagten und schwachen Menschen zugute. Menschen, die zu den sogenannten Risikogruppen gehören. Menschen, die in der Gefahr stehen, dass sie bei einer Infektion mit dem Covid-19-Virus schwer und lebensbedrohlich erkranken. Alle verzichten gemeinsam den Schwachen in der Gesellschaft zugute. Das ist bemerkenswert. Es geht darum, dass die Krankenhäuser den zu erwartenden Ansturm an Schwerkranken verkraften können und Leben gerettet werden können.

Was für ein Sturm zieht da über uns auf? Was wird uns abverlangt? Vielleicht fühlt sich mancher so: einsam und klein dem Ganzen ausgesetzt wie ein kleines Korn in Wind und Wetter (siehe das Gedicht von Huub Oosterhuis). Manche Familien geraten in Not, wenn alle täglich auf engen Raum zusammenleben müssen: lernen, spielen, arbeiten - alles in engen Grenzen.

Was gibt mir jetzt Halt? Was stabilisiert mich? Wer ist für mich da? Und für wen kann ich da sein?


Es ist Gottes tiefes Geheimnis, dass aus seinem Loslassen von allem, aus seinem „Verzicht“ auf Leben neues Leben erwacht. Der Verzicht bringt Gewinn, er bringt Frucht. Und ER verzichtet aus Liebe. Für wen oder was bin ich bereit zu verzichten?

Im Verzicht steckt eine ganz eigene Kraft. Es wirft uns zurück auf Wesentliches und Eigentliches.

Worauf wirft mich dieser Verzicht zurück? Was ist es konkret, worauf ich jetzt verzichten muss? Was löst das in mir aus? Was wird für mich in dieser Zeit wesentlich?

Das Evangelium sagt: Jesus Christus hat für uns Menschen, also auch für mich, auf alles verzichtet. Er fasst es selbst in ein Bild: Wie ein kleines Weizenkorn, das in den feuchten Ackerboden kommt, gibt ER sein Leben auf. Nur so kann eine neue Weizenpflanze aus dem Korn wachsen und vielfache Frucht bringen. Im Bild ist jeder, der glaubt, also auch ich, eine Frucht, die aus diesem Tod hervorgegangen ist. Neues Leben. Ohne diesen Verzicht wäre das Korn, wäre dieses Leben allein geblieben. Jetzt sind es viele, die an diesem Leben Anteil haben und sozusagen in jeweils ihrem Leben die gute Saat ausbringen: die gute Saat, die dieses eigene Leben ist.

Was fange ich mit meinem Leben an? Was fange ich mit meiner Zeit, meiner Kraft und meinem Vermögen an? Investiere ich maßvoll und gut für das Richtige? Was für Frucht bringt mein Leben?


Für solche Fragen kann gerade jetzt Zeit sein. Sie können mich zum Wesentlichen führen.

Der Verzicht von Christus geht klar mit einem Gewinn einher. Ohne den Verzicht bliebe ER allein. ER gewinnt neue Leben: Menschen wie Du und ich, die mit IHM unterwegs sind in dieser Welt. Möge auch unser Leben Frucht bringen.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,24)


Gebet
Lebendiger Gott,

im Bild vom Weizenkorn

erkennen wir deinen Sohn,

Jesus Christus,

der für uns starb,

damit wir leben können.

Dafür danken wir dir.
Lass uns einander Gutes tun,

damit wir nicht vergeblich leben,

sondern Frucht bringen,

wie das Korn, das in die Erde fällt.
Wir bitten dich für alle,

die um deines Namens willen leiden müssen.
Erbarme dich ihrer

und gib ihnen die Kraft auszuhalten.

Stille und persönliches Gebet
Sagen Sie Gott im Gebet, was Ihnen in dieser Zeit Angst und Sorgen macht.
Beten Sie für andere Menschen, lassen Sie Gesichter vor ihrem inneren Auge auftauchen und nennen Sie den Namen dazu. Lassen Sie sich Zeit.
Überlegen Sie, wofür Sie jetzt in dieser Zeit dankbar sind.

Vaterunser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Der HERR segne uns und behüte uns;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig;
der HERR erhebe sein Angesicht über uns
und gebe uns Frieden.